Weniger Ballast, mehr Freiheit

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Ja, es gibt ihn tatsächlich: den Kerzenhalter in Hühnerform mit Eierkerze
Ja, es gibt ihn tatsächlich: den Kerzenhalter in Hühnerform mit Eierkerze

Vor einiger Zeit musste ich einen Haushalt auflösen. Keine angenehme Aufgabe. Es gab so viele Dinge dort, die dem ehemaligen Besitzer etwas bedeutet hatten, die ich jedoch nicht brauchen konnte. Daher überließ ich Familie, Freunde und Bekannte das, was sie wollten, einiges spendete ich. Obwohl ein Großteil der Besitztümer auf diese Weise in andere Hände überging, blieb immer noch einiges übrig, das niemand wollte. Also warf ich den Rest weg bzw. überließ die Entsorgung der Möbel und sperrigen Dinge einem Entrümpler. Mit einem Gefühl im Bauch, als würde ich die Existenz des Vorbesitzers ein zweites Mal auslöschen.

Was brauchen wir wirklich?

Ich habe mir deshalb geschworen, mich von möglichst vielen Dingen schon zu Lebzeiten zu trennen. Wir alle sammeln in unserem Leben so viele Dinge an, die wir nicht vermissen würden, wären sie nicht mehr da.

Wer z. B. benötigt einen Kerzenhalter im Hühnerdesign, der für Kerzen in Eiform gemacht wurde? Wer braucht ein Bowle-Set, wenn eine große Schale mit Gläsern es für die paar Male im Leben tut, in denen man eine Bowle zubereitet? Wer braucht Unmengen an Deko-Kram – noch ein Gläschen, noch ein Schälchen, noch ein Figürchen?

Den Stimmen widerstehen

Das Schlimme ist, dass uns von allen Seiten suggeriert wird, unser Leben würde größer, schöner, bedeutender durch Dinge wie die Kapselmaschine, mit der sich Tee „ganz einfach“ zubereiten lässt (ähem, wie lässt sich Tee wohl leichter zubereiten als durch Aufgießen von heißem Wasser?). Auch viele andere Geräte versprechen uns, Arbeit zu erleichtern und Zeit zu sparen, funktionieren dann aber doch nicht wie versprochen oder müssen nach der Benutzung so umständlich gereinigt werden, dass dies die Zeitersparnis auffrisst. In letzter Konsequenz fristen sie dann ein vergessenes Dasein in der hintersten Schrankecke.

Andere Dinge erfüllen überhaupt keinen Zweck, sondern stehen nur rum und stauben ein. Ja klar, es darf im Haushalt auch zweckfreie Dinge geben, die nichts tun, außer hübsch aussehen. Das sorgt schließlich für Gemütlichkeit. Doch viele Haushalte sind überfrachtet mit Dingen, die die Wohnung gemütlich machen sollen. Auf der Strecke bleibt: die Gemütlichkeit.

Weniger fühlt sich gut an

Weniger Dinge bedeuten auch weniger Ballast. Wer schon einmal umgezogen ist, weiß das. Nicht umsonst werden bei jedem Umzug Dinge weggeworfen. Nach mehreren Umzügen nacheinander ist der Haushalt irgendwann auf (fast) das Nötigste reduziert. Das Dumme: Je länger man irgendwo wohnt, desto mehr Ballast sammelt sich wieder an. Für die Erben ist das irgendwann ’ne Katastrophe. Schließlich ziehen Menschen in fortgeschrittenem Alter seltener um; es sei denn in eine Seniorenwohnung oder in ein Seniorenheim. Ich habe mir vorgenommen, es nicht so weit kommen zu lassen. Ich hoffe, es gelingt mir. Denn eigentlich weiß ich ja: Die wirklich wichtigen Dinge im Leben kann man nicht kaufen. Dazu gehört auch mehr Freiheit durch weniger Ballast.

Auch Petra A. Bauer will weniger Ballast in ihrem Leben. Deshalb hat sie sich auf ihrem Blog Mama im Job vorgenommen, jeden Tag zehn Dinge wegzuwerfen. Gute Idee, wie ich finde!

5 KOMMENTARE

  1. Ui, jeden Tag 10 Dinge wegwerfen? Wäre hier sicher auch mal angebracht, aber alleine bei dem Gedanken bricht mir der kalte Schweiß aus …

  2. Haushaltsauflösung kenne ich von meinen mittlerweile verstorbenen Eltern, das ist einfach gruselig, Dinge wegwerfen von denen man weiß dass sie dem Besitzer viel bedeutet haben. Am schlimmsten finde ich Handarbeiten. Auf meinem Schreibtischstuhl liegt ein Kissen dass meine Mutter gehäkelt hat. Das Muster ist scheußlich, aber es ist eine Erinnerung. Was mich selbst angeht, klappt nicht immer, aber die Regel ist einfach: 1 neues Teil kaufen bedeutet zwingend ein altes Teil wegwerfen, so kann sich nichts ansammeln.

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