Warum nicht mal moocen?

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Bär, der über Buch brütet
Nicht nur aus Büchern kann man lernen, sondern auch mit MOOCs.

Immer mal wieder, bevorzugt in den Sommermonaten, wenn die Schatten lang und die Themen rar sind, macht das Schlagwort vom lebenslangen Lernen die Runde. Lebenslanges Lernen – das klingt erstmal wie eine Drohung. Vermutlich wegen des Wortes „lebenslang“, das vorm inneren Auge Bilder von Gittern und Gefängniszellen wachruft.

Doch während viele (ähem, vermutlich sogar die meisten) Menschen das Lernen noch in der Schule als Last empfanden, gewinnt es mit zunehmendem Alter an Attraktivität. Nicht in jedem Fall, aber doch immer häufiger. Sowohl das beruflich motivierte Lernen als auch das Lernen an sich. So erhalten die Universitäten zunehmend Zulauf von Älteren. Und das Bundesinstitut für Berufsbildung verzeichnete in seinem Datenreport erstmals im Jahr 2007 Auszubildende ab 40 Jahren. Denn tatsächlich beginnen immer mehr Menschen mit über 40 eine Ausbildung, auch wenn die Zahlen im Vergleich zu den Um-die-20-Jährigen natürlich trotzdem verschwindend gering sind.

Der Schreck ist weg

Lernen scheint also zumindest ab einem gewissen Alter den Schrecken zu verlieren. Vielleicht, weil sich viele Menschen mit Mitte 40 aussuchen können, was sie lernen möchten. Vielleicht aber auch, weil viele nun endlich wissen, welche Interessen sie wirklich vertiefen wollen. Vielleicht, weil sie nun tatsächlich das Gefühl haben, für sich selbst und niemand anderen zu lernen. Und vielleicht, weil sie nun auch wissen, wie sie persönlich am besten lernen.

Leider ist die Zeit zum Lernen bei den meisten begrenzt. Beruf, Familie, Freunde, Hobbys und auch der Haushalt fressen den Löwenanteil auf. Und schlafen will man ja auch irgendwann. Wie soll man denn nun noch das Lernen dazwischenquetschen, wenn schon der Weg zum Volkshochschul- oder anderen Kurs wieder eine halbe Stunde auffrisst?

Unter Umständen sind hier MOOCs die Lösung.

MOOC – was ist das?

MOOC, das zumindest ich wie Muh-K ausspreche, ist die Abkürzung für Massive Open Online Course, was so viel wie „allgemein zugänglicher Online-Kurs“ bedeutet. Das „massive“ steht noch davor, weil diese Kurse im Allgemeinen „massig“ viele Teilnehmer haben. Mehrere Tausend sind kein Einzelfall.

Jedenfalls handelt es sich dabei um Online-Kurse aus allen möglichen Fachgebieten, geleitet von Fachleuten. Wer möchte, kann sich aktuell z. B. über die Anatomie von Kopf und Hals informieren, sich im Songwriting üben oder aber lernen, wie man sich zu einer entspannteren, widerstandsfähigeren Persönlichkeit entwickelt. Und vieles andere mehr.

War noch vor zwei bis drei Jahren das Angebot an MOOCs sehr begrenzt, gibt es im Internet mittlerweile eine Reihe von Kursanbietern (oft Universitäten) und Kursen. Und das Gute: Die Teilnahme an einem Großteil der MOOCs ist bislang kostenlos. Man muss sich nur beim jeweiligen Anbieter online mit Namen, Mailadresse und Passwort registrieren, mit einem Klick für den gewünschten Kurs anmelden und schon kannʼs losgehen.

Wie funktioniert das mit dem MOOC?

Die meisten kostenfreien MOOCs haben das Lernen folgendermaßen organisiert: Man setzt sich an seinen PC, ruft die Website des jeweiligen MOOCs auf und kann dann die bereits online stehenden Lektionen auf eigene Faust, im eigenen Tempo und natürlich auch zu einer selbst gewählten Zeit durcharbeiten.

Die Lektionen bestehen in erster Linie aus Filmen, die von bzw. mit den Lehrenden gedreht wurden. Abhängig vom Thema und natürlich von den Lehrenden, ihren (technischen) Möglichkeiten, ihren darstellerischen und didaktischen Fähigkeiten und ihren Ideen ähneln die Lektionen entweder dem Schulunterricht, bei dem jemand vorne steht und etwas erzählt. Oder sie sind z. B. durch Zeichnungen, Comics, Schauspieleinlagen, Interviews und andere Einspieler aufgelockert.

Außerdem gehören zu einer Lektion normalerweise Links zu weiterführenden Materialien im Internet, die für den Kursinhalt von Bedeutung sind, und Buchtipps. Daneben gibt es häufig zu jeder Lektion ein kleines (Ankreuz-)Quiz, und immer auch stellen die Lehrenden den Teilnehmern Aufgaben, die Letztere selbstständig nach Durcharbeiten der Lektion ausführen sollen. Die Studierenden können anschließend auf die Lernplattform ihre Ergebnisse hochladen, sodass diese den anderen Kursteilnehmern zur Verfügung stehen und diskutiert, beapplaudiert oder auch erweitert werden können. Auf diese Weise sollen sich die Teilnehmer miteinander vernetzen, sich über das Thema austauschen und weiteren Zugang zum Thema finden.

Keine Zugangsvoraussetzungen

Ach so: Zugangsvoraussetzungen zu MOOCs gibt es in der Regel nicht – sie sind ja „open“, also offen. Das heißt, jeder kann an den MOOCs teilnehmen, unabhängig von der Vorbildung. Auch muss niemand Angst vor einer vernichtenden Kritik an seinen Arbeitsergebnissen haben. Die Teilnehmer diskutieren zwar, doch in aller Regel in einer wertschätzenden Atmosphäre.

Alles kann, nichts muss

Das Gute an den meisten MOOCs: Alle können sich im Kurs so engagieren, wie sie möchten und es zeitlich schaffen. Ein Teilnehmer z. B. will nur hin und wieder reinschauen? Geht. Eine andere Teilnehmerin kann nur einige, aber nicht alle Aufgaben bearbeiten? Geht auch. Genau wie alle Lektionen zu bearbeiten und sich intensiv mit anderen Kursteilnehmern auszutauschen.

Für die besonders Engagierten entwickeln sich oft über die Kursplattform hinaus in sozialen Netzwerken Gruppen, deren Mitglieder das Thema weiter vertiefen. Sogar neue Bekanntschaften können daraus entstehen – schließlich hat man bereits ein gemeinsames Interesse.

Bei manchen MOOCs können die Teilnehmer Zertifikate erwerben, die zum Teil auch die Universitäten anerkennen. Für Letzteres ist allerdings meistens eine Abschlussprüfung an einem vom Kursleiter festgelegten Ort notwendig. Die Teilnahme daran ist im Allgemeinen mit Kosten verbunden.

Ideal für die 1960er Jahrgänge

Doch Menschen ab Mitte 40 haben Glück, denn sie benötigen oft keine Teilnahmebescheinigung. Sie müssen nicht unbedingt nachweisen, dass sie Wissen neu erworben haben. Stattdessen dürfen sie es einfach anwenden und damit unter Beweis stellen, dass sie etwas (Neues) können.

Nicht zuletzt aus diesem Grund können sie an MOOCs unvoreingenommen und spielerisch herangehen. Denn sollte der MOOC nicht gefallen oder die eigene Zeit nicht reichen, können sie ihn einfach abbrechen. Im Gegensatz zu manchen Jüngeren, die auf die Qualifikation angewiesen sind.

Eine Vielzahl von Angeboten

Wo findet man nun also den passenden MOOC? Für Menschen, die leidlich Englisch sprechen, ist das überhaupt kein Problem. Sie können über eine MOOC-Suchmaschine weltweit aus einem reichhaltigen Angebot wählen.

Das eigene Englisch muss für die Teilnahme an einem Kurs übrigens nicht perfekt sein. Die meisten Dozenten sprechen sehr deutlich und langsam, sodass auch Ungeübte sie verstehen. Außerdem kann man sich eine Lektion mehrmals anschauen, wenn man etwas nicht verstanden hat, oder zurückspulen und sich Teile erneut ansehen. Die Aufgaben erledigt man dann eben auf Deutsch und tauscht sich mit anderen Deutschsprachigen über die Lernplattform oder in Gruppen aus.

Wer nur Deutsch spricht, hat bislang eine deutlich geringere Auswahl an Kursen. Einen Überblick gibt z. B. die Sprachensuche auf Mooctivity. Doch auch unter den deutschsprachigen MOOCs kommen ständig neue hinzu. In jedem Fall aber sollte man sich vor einer Anmeldung die Teilnahmebedingungen durchlesen. Denn manche Kurse bieten sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Zugänge.

Haben Sie Lust auf die Teilnahme an einem MOOC bekommen? In einem der kommenden Beiträge erfahren Sie demnächst mehr über die Dos and Donʼts beim Moocen.

6 KOMMENTARE

  1. Danke für diesen tollen Artikel. Da sieht man dass lernen nie aufhört, ich wusste bis eben nicht dass es so etwas gibt, da werde ich mich bestimmt mal in die Suchmaschine begeben.

    Ich habe einen technischen Beruf, da gehört lebenslanges Lernen dazu, ich denke und hoffe dass mich das geistig jung hält. Als ich vor ein paar Jahren meinen langjährigen Arbeitsplatz verlor hatte ich das Glück direkt einen neuen gleichwertigen Job zu finden, da habe ich technisch unheimlich viel Neues lernen müssen, das war zwar anstrengend aber auch sehr schön.

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