Staub – das verkannte Medium

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große Wollmaus - drapiert
Wonnige Wollmäuse - Kunst aus Staub

Staub ist der natürliche Feind aller Menschen, die ihre Wohnung sauber halten wollen. Leider ist der Kampf gegen ihn aussichtslos. Sofort nach dem Staubsaugen oder Staubwischen setzen sich erneut Staubpartikel auf Tisch und Bett ab, auf Bildern und Büchern, auf Teppichen und Laminatböden. Selbst feuchtes Wischen hilft – wenn überhaupt – höchstens kurzzeitig. Denn Staub dringt nicht nur durch kleinste Fenster- und Türritzen, wir produzieren ihn auch selbst. Wir merken es zwar nicht, doch ständig bröseln Hautschuppen von unserem Körper zur Erde (1,5 Gramm pro Tag und Mensch) und lösen sich Partikel aus unserer Kleidung.

Staub und Kunst

Ähem. Das heißt natürlich nicht, dass man nicht mehr sauber machen sollte. Doch vielleicht sollten wir mal unseren Umgang mit Staub ein bisschen überdenken und z. B. den Staub der eigenen vier Wände zum Kunstobjekt erheben?

Das macht jedenfalls Paul Hazelton. Der Brite erschafft aus ganz normalem Hausstaub filigrane Kunstwerke. Die zeugen zwar hauptsächlich vom Verfall und wirken ein wenig morbid, üben jedoch zugleich eine merkwürdige Faszination aus.

Vielleicht wäre das ja auch was für Sie? Paul Hazeltons Gebilde jedenfalls erzielen hohe Preise auf dem Kunstmarkt. Doch selbst, wenn die eigenen Staubskulpturen nicht diesen durchschlagenden Erfolg haben, sind sie ein ungewöhnlicher Schmuck für das eigene Heim. Ein zusätzlicher Vorteil: Es macht nichts, wenn sie weiteren Staub ansetzen.

Staubscouts gesucht

Vielleicht haben Sie aber auch Lust, Staubscout zu werden? Solche Menschen, die auf den Spuren des Staubs wandeln (und darin vielleicht auch welche hinterlassen, höhö), sucht nämlich das Deutsche Staubarchiv. Ja, das gibt es wirklich, und zwar in Köln. Es archiviert besondere Stäube, z. B. aus Weinkellern oder Konzertsälen weltweit. Auch sogenannte Naturraumstäube, beispielsweise aus der Sächsischen Schweiz, sind Teil der Sammlung des Staubarchivs.

Kultureller Staub

Wer möchte, kann sich auch mit „Staub“ auf die Couch begeben, Patricia Cornwells 13. Kay-Scarpetta-Roman. Und wer dann immer noch nicht genug hat, hört sich entweder das gleichnamige Darkwave-Album von „Das Ich“ oder den Tonträger von „Maxim“ an.

Übrigens: Hausstauballergiker sind nicht gegen den Staub an sich allergisch, sondern gegen den darin enthaltenen Kot der vielen kleinen Milben, die unsere Wohnungen mit uns teilen. Mit diesen winzigen Tieren müssen wir übrigens leben, denn eine Wohnung ohne Milben gibt es nicht. Genauso wenig vermutlich wie eine Wohnung ganz ohne Staub.

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