Spielend durch die 60er und 70er

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Ein Ski namens Alpenblitz
Ein Ski namens Alpenblitz

Neulich hab ich meine ersten Ski wiedergefunden (naja, eigentlich nur einen). Wie der kleine, rote Ski da so einsam und verlassen lag, fielen mir ganz viele Sachen ein, die ich in meiner Kindheit gemacht habe. Tolle Sachen. Gefährliche Sachen. Aber toll.

Mit dem Alpenblitz die Berge runter

Fangen wir mit dem Ski an. Meine Ski mit dem vielversprechenden Namen „Alpenblitz“ benutzte man mit ganz normalen Stiefeln oder Schuhen. Die Bindung bestand aus einem Metallriemen und einem zweiten Riemen. Der Metallriemen umschloss den Schuh hinten und an den Seiten, unter den zweiten Riemen schob man den Schuh, damit der Fuß nicht vom Ski rutschen konnte. Damit stürzte ich mich (wortwörtlich) die Hügel hinunter. Beim Fallen löste sich der Ski natürlich nicht einfach vom Fuß, sondern ragte in die Höhe. Im Nachhinein vermute ich, dass das Absicht war. So konnten Kinder im Tiefschnee nicht verloren gehen.

Mit dem Kopf in den Sand

Dann gab es da den Sandhaufen, der meine Freunde und mich tagelang beschäftigte. Der lag vor einer gut zwei Meter hohen Mauer. Es war kein weicher Buddelsand, sondern ein Haufen grobkörniger Sand, in dem sich noch kleine Steinchen fanden. Er lag da und wartete auf Bauarbeiten, die nie kamen. Stattdessen kamen wir. Wir stellten uns auf die Mauer und sprangen. In den Sand. Erst vorsichtig, doch bald sprang der Erste mit einem Salto hinunter. Versuchte es jedenfalls. Dann die Nächste. Und irgendwann alle. Naja, vielleicht handelte es sich auch um Flugrollen (<- sagt man das heute noch?). Im Nachhinein hält man sich ja immer für mutiger, als man war. Trotzdem: Hätte sich jemand versprungen, wäre er auf Steinplatten gefallen. Besonders groß war der Sandhaufen nicht.

Mit der Badehose in der Gosse

Ein anderes Mal, während eines heftigen Sommerregens, zogen wir unsere Badehosen an (auch wir Mädchen – Badeanzüge oder Bikinis waren was für Alte), rannten ins Freie, wälzten uns im Gossenwasser und tanzten im Regen. Mitten auf der Straße. Verkehr gab es damals zwar schon, aber nicht so viel. Wahrscheinlich tranken wir auch vom Regenwasser. Passiert ja immer. Krank wurden wir nicht. Nur nass.

Mit dem Brett im Tandem

Als die ersten Skateboards aufkamen, so Plastikdinger mit billigen Rollen, rasten wir damit die Straßen runter. Natürlich ohne Helm oder andere Schutzausrüstung, dafür mit kurzen Hosen. Das tollkühnste Kunststück war das Tandem. Dabei setzten sich beide Tandempartner auf ihre Skateboards, legten ihre Beine um den Rücken des oder der jeweils anderen, hielten sich an den Händen und fuhren los. Manövrieren ging nur begrenzt. Auch wenn Autos kamen.

Mit einem Sprung hoch hinaus

Beim Schaukeln schwangen wir uns möglichst hoch in die Luft, um dann am höchsten Punkt abzuspringen, an die gegenüberliegende Schaukelbefestigungsstange zu fliegen und uns daran festzuhalten. Wir hatten damals sogar geplant, eine Zirkusvorstellung zu geben und jede Menge Eintritt zu verlangen.

Warum wir von dieser Idee Abstand genommen haben, ist mir bis heute unbegreiflich. Wir wären sicher reich geworden. Oder berühmt. Oder beides. Denn damals ging das noch. Heute jedoch muss man wenigstens aus der Stratosphäre springen, um nur ein bisschen Aufsehen zu erregen. Schade. Chance vertan.

2 KOMMENTARE

  1. Herrlich …. genau so wars …. mein Skateboard war gelb 🙂

    Und ich habe versucht meine Kinder genauso wild groß werden zu lassen. Auch wenn wir dann in einer Kleinstadt wohnten. Wilde Kindheit stärkt fürs Leben 🙂

    Beste Grüße

    Ulli

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