Sandwich oder doch Belag?

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Hand im Sandwich
Handwich

Sandwich-Generation: Dieses Wort kennzeichnet Menschen in der sogenannten Mitte des Lebens, die sich einerseits noch um die eigenen Kinder und andererseits um die eigenen Eltern kümmern (müssen). Sie sind diejenigen, an die beide Seiten Erwartungen stellen. Sie sind das Dazwischen. Sie sind nicht das Sandwich, sondern der Belag: die Wurst, der Käse, die Marmelade oder der vegetarische Brotaufstrich, der von zwei Brotscheiben eingeklemmt wird.

Und genauso kommen sich manche Menschen zwischen 40 und Mitte 50 vor: eingeklemmt. Denn es ist nicht nur verdammt schwierig, sowohl die Bedürfnisse der eigenen Kinder als auch die der älter werdenden Eltern zumindest ansatzweise zu befriedigen. Es ist auch schwierig, zusätzlich die Anforderungen im Job, die des Partners, der Freunde und Bekannten und nicht zuletzt die eigenen Erwartungen zu erfüllen. Die eigenen Bedürfnisse bleiben dabei oft auf der Strecke.

Besonders gilt das natürlich für Menschen, die sich eigenhändig um Kinder und Eltern kümmern. Deren Kinder noch nicht alt genug sind, um sich komplett selbst zu versorgen, und deren Eltern bei bestimmten Dingen des Alltags wie dem Einkauf, dem Saubermachen oder auch der Körperpflege Hilfe brauchen. Noch schwieriger wird es, wenn die Eltern pflegebedürftig sind. Denn auch, wenn ein Pflegedienst mit dem Nötigsten beauftragt ist, bleibt doch vieles an den Kindern hängen. Jedenfalls an denen, die in der Nähe ihrer Eltern leben.

Elternunterhalt – Kinder sorgen für ihre Eltern

Sind die Mitglieder der Generation Sandwich, äh Belag nicht selbst zur Pflege in der Lage, werden sie oft zumindest finanziell herangezogen. In den Fällen, in denen die Eltern die Pflegekosten in einem Heim auch bei einer finanziellen Beteiligung durch die Pflegeversicherung nicht allein stemmen können, sind die Kinder gefragt: Sie müssen Elternunterhalt zahlen, überschreitet ihr Einkommen eine bestimmte Obergrenze (sogenannter Selbstbehalt zuzüglich weiterer anrechenbarer Kosten). Bei Verheirateten wird übrigens auch das Einkommen des Ehepartners in die Berechnung miteinbezogen (wer es genauer wissen will: Hier gibt es weitere Informationen zum Elternunterhalt sowie einen Unterhaltsrechner).

Selbst bei einem Abbruch des Kontakts müssen die Kinder in aller Regel Elternunterhalt zahlen. Nur bei einer schweren Verfehlung der Eltern sind die Kinder dazu nicht verpflichtet. Zu den schweren Verfehlungen zählen z. B. Misshandlungen des Kindes durch Vater und/oder Mutter, nicht etwa aber Enterbung.

Die Zukunft ist ungewiss

Zermürbend ist für viele der Generation Dazwischen auch die Ungewissheit, wie es mit den Eltern weitergeht. Sind sie vielleicht in absehbarer Zeit auf noch intensivere Pflege angewiesen oder bleibt es beim Status Quo?

Zudem macht es manchen zu schaffen, die körperlichen und/oder geistigen Veränderungen und vielleicht auch das Leid von Menschen mitzubekommen, die sie lieben. Unter Umständen, weil sich die Angst hinzugesellt, ein ähnliches Schicksal vor sich zu haben.

Gewöhnung? Schwierig!

Wie geht man am besten mit solchen Belastungen um? Das ist von Fall zu Fall natürlich unterschiedlich, abhängig von der eigenen Mentalität und Belastbarkeit. Sich Hilfe und Unterstützung zu suchen – professioneller Art sowie im Familien- und Freundeskreis – ist jedoch immer gut. Genauso wichtig ist es, zwischendurch eine Auszeit von der Kümmerei zu nehmen, z. B. indem das zu pflegende Familienmitglied in regelmäßigen Abständen in Kurzzeitpflege kommt. Oder wenn die Anstrengungen zu groß werden, die Entscheidung zu treffen, die Pflege anderen zu überlassen.

Das alles kann zwar die eigene Belastung verringern, dennoch kreisen die Gedanken so manches Menschen in einer solchen Situation nach wie vor um die Aufgaben, die noch zu bewältigen sind, oder aber um die Situation im Allgemeinen. Oft lauern die Sorgen irgendwo im Hinterkopf und drängen sich in den unpassendsten Momenten in den Vordergrund.

Natürlich hilft es, sich mit anderen ebenfalls Betroffenen auszutauschen, es hilft auch, mit Freunden zu reden und vielleicht sogar über die eigene Situation zu lachen (etwas Absurdes findet sich immer!). Doch die Belastung abnehmen oder die Sorgen wegzaubern? Das kann niemand.

Vielleicht ist es am besten, sich an die Situation zu gewöhnen und sich mit ihr abzufinden (sich mit ihr anzufreunden ist wahrscheinlich zu viel verlangt)? Denn wenn man an etwas gewöhnt ist, verliert es den Schrecken. Dumm nur, dass es im Umgang mit Menschen immer wieder Umstände gibt, die man sich nicht hätte vorstellen können, die ungewohnt sind und deshalb erschreckend sein können.

Es gibt also keine Zauberformel, die verhindert, dass das Sandwich den Belag komplett einklemmt. Jede(r) muss für sich selbst herausfinden, wie sie oder er Freiheiten behält oder zurückerlangt und Belastungen verringert.

Wer erzählen möchte, wie sie oder er mit dieser oder einer ähnlichen Situation umgeht oder umgegangen ist, gerne! In den Kommentaren ist viel, viel Platz, und jeder Tipp ist willkommen.

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