Neid ist ein Scheißgefühl

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Wenn man neidisch ist, helfen einem solche Sinnsprüche kein bisschen ...
Wenn man neidisch ist, helfen einem solche Sinnsprüche kein bisschen ...

Ich gebe es nicht gerne zu, doch manchmal bin ich neidisch. Und ich hasse es – dieses dumpfe Gefühl, das sich zuerst im ganzen Bauch ausbreitet und ihn schwer macht. Das aus den untersten Darmregionen direkt in den Kopf springt, ein Kribbeln hinter der Stirn hervorruft, Tränen in die Augen treibt, die guten Gefühle verdrängt und sich nur schwer wieder vertreiben lässt. Irgendwann sehe ich nämlich nur noch, was bei anderen toll läuft und bei mir gerade nicht, was ich nicht kann, nicht bin, nicht habe. Und fühle mich klein und unbedeutend. Das wiederum hilft nicht gerade dabei, etwas an meiner Situation zu ändern. Nee, Neid macht keinen Spaß.

Unzufriedenheit als Neidauslöser

Neidgefühle pirschen sich vor allem in den Momenten an mich heran, in denen ich mit mir selbst unzufrieden bin. Dann bin ich überzeugt davon, dass es allen anderen hundertprozentig, mit Sicherheit, ganz bestimmt besser geht. Klar. Das Gras ist ja auch immer grüner dort, wo man gerade nicht ist. Geht es mir jedoch gut, kann ich auch gut gönnen.

Worauf ich neidisch bin? Nicht darauf, dass jemand ein größeres Haus, Auto oder Boot besitzt. Ich bin neidisch, wenn es anderen gut geht und mir nicht. Wenn andere gemeinsam lachen und ich ausgeschlossen bin. Wenn andere das Meer riechen dürfen und ich nicht. Wenn ich das Gefühl habe, allein mit meinen miesen Gefühlen zu sein.

Lachen, rennen, Schönes machen

Doch dann denke ich daran, dass es nicht die Aufgabe der anderen ist, mir gute Gefühle zu machen. Gute Gefühle kann nur ich selbst mir machen. Nur ich kann diesen fiesen Neid vertreiben, niemand sonst. Was ich tue, damit das klappt, ist ganz unterschiedlich:

  • Manchmal treffe ich mich mit Leuten und erzähle so lange dumme Witze und albere so lange herum, bis das zunächst zögerliche, später jedoch tief aus dem Bauch kommende Lachen den Neid und die miesen Gefühle vertrieben hat (ja, albern sein funktioniert tatsächlich!).
  • Manchmal rufe ich eine gute Freundin oder einen guten Freund an und schütte mein Herz aus. Meine Freunde holen mich wieder auf den Boden zurück, bringen mich zum Lachen oder trösten mich.
  • Manchmal renne ich, bis ich nicht mehr kann. Oder mache irgendetwas anderes, bei dem ich mich bewege, aber nicht groß nachdenken muss. Hin und wieder bügle ich sogar Unterhosen.
  • Manchmal gehe ich nach draußen, lasse mir den Regen ins Gesicht klatschen, den Wind die Haare zerzausen oder die Sonne auf den Bauch scheinen, um den Neid wegzuwaschen, fortzublasen, auszutrocknen.
  • Manchmal tue ich etwas, was ich besonders gut kann, und poliere damit mein angeknackstes Selbstbewusstsein auf. Damit andere neidisch auf mich sind.
  • Manchmal bemitleide ich mich selbst. Und zwar, indem ich maßlos übertreibe: „Oh, du armer schwarzer Kater, du bist ja ’ne ganz arme Sau im Vergleich zu anderen.“ Das ist so lächerlich, das hält der stärkste Neid nicht aus.

Dinge in Angriff nehmen

Zum Glück dauern Neidgefühle auf diese Weise nicht lange an. Und zum Glück werden die Neidgefühle mit zunehmendem Alter – zumindest bei mir – auch immer seltener. Denn die Dinge, die mir wirklich am Herzen liegen, mache ich einfach. Dann brauche ich nicht länger neidisch auf andere zu sein, die diese Dinge tun. Und falls das aus irgendeinem Grund mal nicht möglich ist, dann ist das eben so. Auch das zu erkennen und anzunehmen, gehört zum Großwerden dazu.

5 KOMMENTARE

  1. Ich bin mir sicher, dass Neid etwas für Menschen ist, die es noch nie geschafft haben, so richtig unglücklich zu sein und dies einmal ausprobieren wollen.
    Naja, ist ja nicht umsonst eine Todsünde, oder?
    LG
    Sabiene

    • Liebe Sabiene,

      ich denke, dass man gerade im Unglück auch neidisch sein kann (und zeitweilig auch sein darf, wie ich finde). Doch leider ist Neid nur selten produktiv – von den Malen mal abgesehen, in denen er Menschen anstachelt, die Dinge zu erreichen, auf die sie neidisch sind. Und er macht nur noch schlechtere Gefühle, weshalb man besonders, wenn man sehr unglücklich ist, sehen sollte, dass die Neidgefühle rasch wieder verschwinden.

      LG Simone

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