Lebe, lache, liebe – Hilfe für Trauernde

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Kein besonders passender Tipp für Trauernde, aber was soll’s.
Kein besonders passender Tipp für Trauernde, aber was soll’s.

Ulrike hat mir ein Buch geschenkt. Ein Buch, in dem es um den Umgang mit Trauer und Verlust geht. Das Buch einer Amerikanerin, deren Mann im Alter von 35 Jahren an Krebs starb und die mit zwei kleinen Töchtern zurückblieb. Das Buch einer Psychologin, die ein Programm (ich nenn es mal so) entwickelt hat, wie man sich nach einem großen Verlust das eigene Leben zurückerobert. Das Buch „Lebe – lache – liebe“ von Christina Rasmussen.

Ich war zunächst skeptisch, ob das etwas für mich ist. Denn Lebenshilfebücher des US-amerikanischen Markts haben oft so eine platte Tschakka-du-schaffst-das-Mentalität, mit der ich schlecht zurechtkomme. Also habe ich mich vorurteilsbeladen hingesetzt, begonnen zu lesen und wurde eines Besseren belehrt.

Ja, es ist ein lebensbejahendes Buch, aber ohne diesen ganzen Always-think-positive-Quatsch. Es ist ein Buch, dem man auf jeder Seite anmerkt, dass Christina Rasmussen weiß, wovon sie spricht. Sie weiß, dass Trauer ihre Zeit braucht, dass man sie nicht einfach wegschieben und in die hinterste Ecke des Lebens verbannen kann. Sie weiß, dass die Trauer sich das nicht gefallen lässt, sondern immer wieder ausbricht. Gerne in Situationen, in denen keiner sie braucht und noch weniger haben will.

Was die Trauer sagen will

Christina Rasmussen weiß das alles aus eigener Erfahrung. Einer ihrer Tipps ist deshalb, die Trauer nicht nur zuzulassen, sondern ihr zuzuhören. Denn sie hat etwas zu sagen. Was das für den Einzelnen ist, kann jedoch nur jeder für sich herausfinden – durch kleine, einfache Übungen. Ein Beispiel: Wer sich regelmäßig 15 bis 30 Minuten Zeit für die eigene Trauer nimmt und in dieser Zeit alle Gedanken zulässt und notiert, die ihm oder ihr in den Sinn kommen – ganz egal, ob sie unsinnig erscheinen oder nicht – lernt dabei, der Trauer zuzuhören. Irgendwann, so Rasmussen, stellt sich heraus, was die Trauer dem jeweiligen Menschen sagen möchte. Die Trauer als Partner statt als Feind anzusehen, hilft Trauernden, sich klar zu machen, was sie in der schwierigen Lebenssituation brauchen und was sie wirklich möchten – auch fürs weitere Leben.

Ich glaube, das stimmt tatsächlich. Denn in der Situation, in der sich das Leben etwa durch den Tod eines geliebten Menschen verändert, erkennt man nach und nach, was einem selbst wichtig ist. Rasmussen macht Mut, diese Erkenntnisse fürs weitere Leben zu nutzen, das Leben nach und nach (in wirklich kleinen Schritten!) wieder in die eigenen Hände zu nehmen und zum Positiven zu verändern.

Zweite erste Male

Das Buch von Christina Rasmussen hat mich schließlich auf ihre Website Second Firsts gebracht (allein diesen Namen, der auf Deutsch „Zweite erste Male“ bedeutet, mag ich), wo sie in ihrem Blog weitere – wie ich finde – kluge und tröstliche Beiträge schreibt. Besonders angetan hat es mir ein Beitrag, in dem sie die Dinge beim Namen nennt, von denen sie sich wünscht, sie hätte sie zu sich selbst sagen können, nachdem ihr Mann gestorben war. So teilt sie ihrem früheren Ich mit, dass es nichts gibt, wovor es noch Angst haben muss, denn das Schlimmste sei bereits geschehen.

Das, was sie in ihrem Buch und auf ihrem Blog schreibt, macht mir Mut. Nicht alles passt auf meine Situation. Natürlich nicht. Muss es auch nicht. Ich kann das herauspicken, was mir hilft. Und das ist eine ganze Menge.

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