Klassen- oder Jahrgangstreffen – schön oder schön doof?

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Zu Klassen- oder Jahrgangstreffen stehen die wenigsten Menschen neutral. Entweder man mag sie, oder man mag sie nicht. Ich gehöre zur ersten Kategorie. Vielleicht, weil wir in unserem Abschlussjahrgang rd. 140 Schüler waren. Zuzüglich der Schüler, die zwar mal zu unserem Jahrgang gehörten, aber auf eine andere Schule gewechselt haben oder vorzeitig von der Schule abgegangen sind. Alle – auch die Wechsler und Abgänger – werden bei uns zum Jahrgangstreffen eingeladen. Und selbst wenn nur 90 bis 100 der ehemaligen Mitschüler zum Jahrgangstreffen kommen, finden sich darunter immer einige, mit denen man auch heute noch gut klarkommt. Vielleicht sogar besser als in der Schulzeit. Spannend ist so ein Jahrgangstreffen allemal.

Bei Klassentreffen sieht das Ganze vielleicht etwas anders aus. Denn wenn eine Abschlussklasse nur aus 20 bis 30 Schülern bestand und von diesen nur etwa die Hälfte zu einem Treffen kommt, ist die Auswahl an Gesprächspartnern natürlich eingeschränkt. Trotzdem (und vielleicht auch gerade deshalb) können sicher auch Klassentreffen mit wenigen Teilnehmern großartig sein. Unter Umständen sogar besser als große Treffen, weil man sich mit jedem einzelnen der ehemaligen Mitschüler unterhalten kann. Bei 100 Teilnehmern klappt das nicht, egal, wie sehr man sich bemüht.

Die Zeiten von „mein Haus, mein Auto“ sind vorbei

Ein Vorteil der Jahrgangs- oder Klassentreffen in unserem Alter ist: So gut wie kein Teilnehmer muss den anderen heute noch etwas beweisen. Waren die ersten Treffen nach der Schulzeit noch von der Selbstdarstellung geprägt, ist es nach 25, 30 oder mehr Jahren längst nicht mehr das Wichtigste, die anderen durch das größte Haus, das schnellste Auto, den prestigeträchtigsten Beruf zu beeindrucken. Die meisten von uns haben die Nackenschläge des Lebens mittlerweile in irgendeiner Form zu spüren bekommen und wissen, es gibt Wesentlicheres als käufliche Dinge und Wichtigeres, als möglichst viel Geld zu scheffeln. Auch Niederlagen können viele heute bereits zugeben, oft sogar schon wieder drüber lachen.

Man kennt sich halt schon lange …

Was Klassen- oder Jahrgangstreffen so besonders macht, ist die gemeinsame Vergangenheit. Durch sie haben selbst Menschen, deren Leben einen komplett unterschiedlichen Verlauf genommen haben, in jedem Fall ein Gesprächsthema. Der Einzelne bekommt zumindest in gewissem Maß das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Und das, obwohl diese Gemeinschaft natürlich schon lange aufgehört hat zu existieren, vielleicht sogar nie existiert hat. Trotzdem: Die Begegnung mit den ehemaligen Mitschülern fühlt sich immer ein bisschen an wie Nachhausekommen.

Eines können Jahrgangs- und Klassentreffen jedoch nicht: den Teilnehmern ihre Jugend zurückgeben. Ganz im Gegenteil: Man merkt erst so richtig, dass man sich selbst ebenfalls stark verändert haben muss, wenn man die ehemaligen Mitschüler betrachtet. Denn bei ihnen registriert man die Falten, die dünneren Haare und den dickeren Bauch viel stärker als bei Menschen, die man tagtäglich sieht – sich selbst eingeschlossen. Nicht zuletzt, weil sich vors innere Auge immer wieder das Bild des anderen aus der Schulzeit schiebt.

Trotzdem: Für mich überwiegen die positiven Seiten solcher Treffen. Und ein wenig Melancholie gibt ihnen die richtige Würze. Wenn sie nicht überwiegt, jedenfalls.

So organisiere ich ein Jahrgangs-/Klassentreffen

Suchen Sie sich einige Mitstreiter für die Organisation des Treffens. Am besten solche, die in der Heimatstadt oder in deren Nähe wohnen. Mit anderen zusammen macht das Ganze mehr Spaß.

Vereinbaren Sie, die Aufgaben unter den Organisatoren aufzuteilen, damit die Arbeit für den Einzelnen überschaubar bleibt.

  • Überlegen Sie zunächst, wie Sie das Treffen gestalten wollen. Wollen Sie Ihre ehemalige Schule besuchen? Dann fragen Sie den jetzigen Schulleiter/die jetzige Schulleiterin nach ein bis zwei passenden Terminen – am günstigsten außerhalb der Ferien (Ferienkalender aller Bundesländer beachten!). Wählen Sie anschließend gemeinsam den geeignetsten Termin aus.
  • Überlegen Sie sich einen geeigneten Ort für das Treffen – am besten einen Raum in einer Gaststätte oder anderen Lokalität (z. B. einer Tanzschule), den Sie ganz für sich haben. Günstig ist es, mehrere Örtlichkeiten in Betracht zu ziehen. Denn manche Lokale sind bereits Monate im Voraus gut ausgebucht, andere zu teuer usw.
  • Wollen Sie etwas zu essen anbieten? Ein Büffet oder Ähnliches? Dann müssen Sie auch das im Voraus planen und eine Summe festlegen, die jeder Teilnehmer zu entrichten hat. Ein Tipp: Ohne Getränke sollten Essen und Raummiete (falls erforderlich) nicht mehr als 20 Euro pro Teilnehmer kosten. Sonst wird es für einige leicht zu teuer. Aber: Planen Sie noch einen kleinen Puffer ein. Kalkulieren Sie beispielsweise für Essen und Raum mit ca. 17 bis 18 Euro pro Person, nehmen Sie pro Teilnehmer jedoch 20 Euro. Irgendeiner vergisst immer ein paar Getränke auf seiner Rechnung. Und sollte Geld übrig bleiben, können Sie es ja z. B: Ihrer alten Schule spenden.
  • Legen Sie ein Konto fest, auf das die Teilnehmer den Betrag im Voraus überweisen.
  • Lassen Sie sich, falls nicht bereits von vorhergehenden Treffen vorhanden, von der Schule eine Liste mit den Schülern Ihres Jahrgangs/Ihrer Klasse falls geben. Sollten zuvor andere Treffen stattgefunden haben, fragen Sie die Organisatoren, ob sie Schüler- und Adresslisten haben.
  • Sollten Sie nicht alle Adressen, Mailadressen oder Telefonnummern der ehemaligen Schüler haben, teilen sie die fehlenden unter den Mitgliedern des Organisationskomitees auf, damit diese sie recherchieren. Fragen Sie bei Ihren ehemaligen Mitschülern, deren Adressen bekannt sind, nach, ob sie weitere Adressen haben. Sonst ist das Internet eine gute Recherchequelle und natürlich – falls sie noch leben – Eltern oder Geschwister.
  • Falls möglich, legen Sie eine Website für Ihr Jahrgangstreffen (und eventuell auch künftige) an. Auf die Seite können Sie weitere Informationen stellen. Kostenlose Blogs eignen sich dafür beispielsweise hervorragend.
  • Senden Sie Ihren ehemaligen Mitschülern eine Einladung (per Mail, per Brief), in der Sie Termin, Ort, Kosten und die Kontonummer, auf das die Teilnehmergebühr zu einem bestimmten Termin überwiesen werden soll, eventuell auch die Internetadresse Ihrer Jahrgangstreffenwebsite bekannt geben. Fügen Sie zudem die Kontaktdaten eines oder mehrerer Ansprechpartner dazu, falls Ihre ehemaligen Mitschüler Fragen (z. B. nach Hotels, einem informellen Treffen vor dem Treffen) haben. Die Einladung sollten Sie möglichst frühzeitig (am besten vier bis sechs Monate vorm Treffen) rausschicken.
  • Wenn das alles erledigt ist, kommt das Feintuning: Die Absprache, ob jemand und wenn ja, wer, eine Rede halten soll. Ob es Buttons oder Namensschilder geben wird, die Sie im Vorfeld vorbereiten. Ob Sie ehemalige Lehrer einladen, ob es eine Führung durch die Schule geben wird usw. Regeln Sie auch alles Nötige mit der Lokalität und überlegen Sie, ob Sie vielleicht auch Musik brauchen.

Dass das Orgateam am Tag der Feier rechtzeitig vor Ort ist, ist selbstverständlich. Und jetzt: Viel Spaß!

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