Kinder machen glücklich. Spätestens, wenn sie ausziehen

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Brauner Koffer mit Zettel

Einige von uns dürften sie schon kennen, manche werden sie bald erhalten, und andere denken noch nicht mal an sie: Gemeint ist die Antwort auf die Frage, ob Eltern glücklich(er) werden, wenn die Kinder aus dem Haus gehen. Das jedenfalls legen verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen nahe, die sich mit dem Thema „Machen Kinder glücklich?“ befasst haben.

Die Wissenschaft und das Kinderglück

Übersichtsstudien (z. B. Parenthood and Happiness) kommen zudem häufig zu dem Schluss, dass kinderlose Menschen zufriedener sind als Menschen mit Kindern. Eltern hingegen sollen vor allem in der Zeit rund um die Geburt des ersten Kindes einen Glücksschub erleben, der sich jedoch bald darauf verliert. Ihre Lebenszufriedenheit sinkt danach anscheinend wieder ab und pendelt sich erst ums fünfte bis sechste Lebensjahr des Sprösslings wieder auf Vor-Kind-Niveau ein (siehe auch hier). Dann habe man sich an sein Kind nämlich gewöhnt – und daran, dass man eigentlich nichts mehr richtig planen kann. Schließlich, wenn die Kinder wieder auszögen, würden Eltern den nächsten Zufriedenheitsschub erleben.

Tja, liebe Eltern mit ebenfalls noch zu Hause lebenden Kindern: herzlich willkommen im Klub der Unzufriedenen. Haben wir’s nicht schon immer gewusst? Kinder sind anstrengend, kosten Geld und schmutzen. Spätestens in der Pubertät, wenn uns auf unsere Anweisung, doch mal das Zimmer von den Wollelefanten zu befreien, wieder nur ein „Chill mal, Mama“ entgegenschallt, würden viele von uns ihr Kind am liebsten rausschmeißen – und hämisch kichernd gerne mal schauen, wie es sich auf einer Parkbank chillen lässt.

Von Glück und Depressionen

Doch Pubertisteneltern haben das Schlimmste bereits hinter sich – ihnen droht, wenn man oben genannten Studien glauben mag, ja bald das große Glück. Das Glück des Auszugs der Kinder. Komisch nur, dass viele Eltern, deren Kinder das Haus verlassen, scheinbar noch nichts davon gemerkt haben, sondern stattdessen unter dem sogenannten Leeren-Nest-Syndrom (engl.: Empty Nest Syndrome) leiden. Das jedenfalls legt die reichhaltige Ratgeberliteratur zu diesem Thema nahe. Zur Erklärung für alle, die es (noch) nicht kennen: Das Leere-Nest-Syndrom ist das Verlustgefühl der Eltern beim Auszug ihrer „großen“ Kinder. Und das kann unter Umständen in eine Depression münden. Wenn man nichts dagegen unternimmt.

Jetzt werden die Kinderlosen vermutlich wieder sagen: „Ihr Eltern wisst auch nicht, was ihr wollt. Einmal möchtet ihr, dass eure Kinder ausziehen und auf eigenen Füßen stehen. Dann wiederum jammert ihr, dass sie ausgezogen sind. Eine wahre Hü-und-Hott-Mentalität, die ihr da an den Tag legt.“

Stimmt letzten Endes auch. Aber als Elternteil mutiert man irgendwann eben zu einer janusköpfigen Persönlichkeit. Sonst hielte man den tagtäglichen Wahnsinn mit Kindern nicht aus. Schließlich wandeln die sich ebenfalls von einer Sekunde auf die andere von der Prinzessin zum Wechselbalg. Da wäre zum Beispiel das kleine Zwerglein, das dich eben noch liebevoll an der Hand gehalten hat und sich nun wie Rumpelstilzchen vor der Supermarktkasse fast selbst zerreißt. Und das nur, weil es den glitzernden Regenbogenpferdeschokoladenriegel nicht bekommt. Oder der pubertierende Jüngling, der in der Stadt lieber ein paar Schritte zurückbleibt, um nicht mit seiner peinlichen Mutter gesehen zu werden, zu Hause aber in den Arm genommen werden möchte. Weil das Leben so grausam ist und überhaupt. Da muss man doch zwangsläufig ebenfalls zu einer Person mit zwei Gesichtern werden.

Die Zeit genießen, bevor die Kinder bestimmen

Vielleicht ist es das, was Eltern schließlich doch glücklich macht, wenn die Kinder ausgezogen sind: Sie können endlich wieder so sein, wie sie wirklich sind. Können die hässliche Seite ihrer Persönlichkeit abstreifen wie eine Schlange ihre zu klein gewordene Haut. Nur weil sie sich nicht länger mit Schutzbefohlenen herumstreiten und über Zimmer aufregen müssen, in denen der Schmutz zu leben beginnt. Denn selbst wenn Kinder es nie, niemals nicht glauben: Auch Eltern macht es keinen Spaß, den Spielverderber zu geben. Doch manchmal muss es eben sein.

Sind die Kinder jedoch erstmal ausgezogen, können Eltern das Vorbildsein sein lassen und selbst wieder über die Stränge schlagen. Solange jedenfalls, bis die Kinder auf die Idee kommen, den Eltern Anweisungen zu geben …

2 KOMMENTARE

  1. Ihr Artikel trifft es zum Teil sehr genau. Mit Teens zu leben ist mehr als schwer… Als unser vier klein waren, hatten wir viel Freude aber auch genau so viele Sorgen. Aber als Teens waren sie nur noch „Monster“. Wir waren froh als sie ausgezogen sind aber um so schöner ist es heute. Heute haben wir ein tolles Verhältnis, das man sich kaum mehr vorstellen kann, wie es vorher war. Jetzt haben wir noch einen Nachzügler Zuhause. Er wird bald sieben und wir hoffen das die Pubertät bei ihm nicht so schlimm wird. Aber eigentlich müssten wir es besser wissen… 😉
    LG Jennifer Emte

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