Ja zum Nein

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Manchmal muss es ein Nein sein.
Manchmal muss es ein Nein sein.

„Kein Mensch ist der Bedürfniserfüller anderer! Sollte dies zufällig so sein, so ist das ganz wunderbar, aber man kann keinen Menschen dazu zwingen, es gibt kein Recht darauf.“ Das schreibt Kirstin Nickelsen in ihrem Buch Ja zum Nein, das den Untertitel „Selbstachtung statt Harmoniesucht“ trägt.

Kirstin Nickelsen lebt in Hamburg, und berät als Wirtschaftsmediatorin und Trainerin Unternehmen, aber auch Einzelpersonen zu den Themen Konfliktlösung, Streitkultur und Teamentwicklung. Ich war gespannt auf ihr neues Buch, das eine Anleitung fürs Neinsagen gibt – fürs berufliche Umfeld genauso wie für den privaten Bereich. Und schon auf den ersten Seiten hat mich ihr Buch gepackt, u. a. mit dem oben genannten Satz. Denn auch ich bin der Meinung, dass man sich gute Gefühle nur selbst machen kann. Niemand anders ist dafür verantwortlich.

Das halbherzige Ja

Doch Kirsten Nickelsen sagt natürlich noch viel mehr. Als Erstes macht sie deutlich, warum ein halbherziges Ja so viel schlechter ist als ein klares Nein. Ein halbherziges Ja? Ganz genau. Das ist ein Ja, das wir zu anderen Menschen sagen, weil wir Angst haben. Angst davor, dass andere uns nicht mehr mögen, wenn wir ihr Anliegen ablehnen. Angst, dass ein Nein andere negative Auswirkungen haben könnte, es uns z. B. beruflich schaden, am Fortkommen hindern könnte.

Mit einem solchen halbherzigen Ja begehen wir jedoch Verrat an uns selbst, so Kirstin Nickelsen. Zumindest wenn uns ein halbherziges Ja viel Zeit und Energie und/oder Nerven raubt oder die Folgen dieses Jas unsere Grenzen überschreiten. Daneben gibt es natürlich die halbherzigen Jas, die nötig sind – z. B. weil man Kompromisse eingehen muss oder Menschen, die man liebt, einen Gefallen tun will. Kirstin Nickelsen macht klar, dass wir abwägen müssen, wann ein halbherziges Ja für uns okay ist und wann nicht.

Kirstin Nickelsen: Ja zum Nein - Selbstachtung statt Harmoniesucht. Mit Sofort-Übungen für den beruflichen Alltag
Kirstin Nickelsen: Ja zum Nein – Selbstachtung statt Harmoniesucht. Mit Sofort-Übungen für den beruflichen Alltag

Eigene Bedürfnisse erkennen

Doch auch mit diesem Hintergrund fällt es vielen Menschen schwer, Nein zu sagen. Kirstin Nickelsen hat deshalb in ihrem Buch viele praktische Übungen eingebaut, mit denen sich das Neinsagen trainieren lässt. Als Erstes heißt es zu erkennen, in welchen Fällen ein Ja die eigenen Grenzen überschreitet. Deshalb ist es so wichtig, die eigenen Bedürfnisse zu kennen und zu beachten. Wie man das schafft, auch dazu gibt Kirstin Nickelsen in ihrem Buch jede Menge Tipps.

Rein in die Komfortzone

Besonders spannend fand ich das Kapitel „Rein in die Komfortzone!“. Klar, oder? Schließlich habe auch ich erst vor einiger Zeit einen Beitrag mit dem gleichen Titel geschrieben. Und tatsächlich: Kirstin Nickelsen und ich sind auf einer Wellenlänge, was die Komfortzone betrifft. Wir finden beide, dass es erstmal gut ist, überhaupt eine Komfortzone zu haben, in die man sich zurückziehen kann.

Kirstin Nickelsen weitet das Thema Komfortzone (im Gegensatz zu mir) auf den beruflichen Alltag aus. Sie versteht unter einer Komfortzone im Beruf „Situationen, in denen wir Arbeiten erledigen, die keine große Herausforderung an uns stellen, die wir bereits kennen und für uns reine Routine sind“. Sie sagt zugleich, dass diese Arbeiten für sie absolute Entspannung bedeuten, und es Zeiten gibt, in denen genau das richtig ist. Demgegenüber stehen die Zeiten, in denen wir Veränderung brauchen und Abenteuer erleben müssen. Denn nur die lassen uns wachsen. Das Neinsagen gehört zum Verlassen der Komfortzone unbedingt dazu.

Strategien fürs Neinsagen

Mit alldem lässt Kirstin Nickelsen es in „Ja zum Nein“ natürlich nicht bewenden. Sie zeigt Strategien auf, wie es gerade auch im Beruf – gegenüber Kollegen und auch Vorgesetzten – gelingen kann, Nein zu sagen, sich zu abzugrenzen. Und dass ein klares Nein oft sogar positive Folgen haben kann, denn es zeigt, dass da eine Person ist, die weiß, was sie will, und das auch durchsetzt.

Ich jedenfalls habe aus Kirstin Nickelsens Buch eine Menge mitgenommen. Es hat mich darin bestärkt, dass wir mehr auf die eigenen Bedürfnisse achten sollten. Denn im Gegensatz zu einem klaren Nein führen halbherzige Jas viel häufiger zu Konflikten – inneren wie äußeren. Weil nämlich ab einem gewissen Punkt den meisten Menschen der Kragen platzt.

2 KOMMENTARE

  1. Das stimmt, das Nein fällt mir auch oft schwer, aber wenn man erstmal in der Mühle drin ist, dann wird es immer schwerer da rauszufinden, man hat ja immer ja gesagt.

    • Liebe Manuela, weil ich deinen Kommentar gerade lese: Leicht ist es sicher nicht. Fang vielleicht an, indem du dich fragst, wozu du demnächst ja sagen möchtest: zu dir, deinen Wünschen, Träumen, was auch immer. Nun drehst du die Medaille um und kannst erkennen, wozu du zukünftig(!) nein sagen willst. Mach kleine Schritte, jeden Tag, es dauert, aber es lohnt sich!:) Und wenn du magst und Interesse hast, ich habe hier noch ein Exemplar von „Ja zum Nein“, solltest du Lust haben, dann sende mir per Mail gerne deine Adresse.

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