Haut ab, ihr Sorgen

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Sorgenmacher oder Sorgenfresser?
Sorgenmacher oder Sorgenfresser?

Für Kinder gibt es Sorgenfresserchen, Stofftiere mit extragroßem Maul, in dem die Sorgen der Kurzen verschwinden. Vor langer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, fraßen die Monster auch die Sorgen der Erwachsenen. Doch das tun sie nicht mehr, seitdem eines von ihnen an einer Erwachsenensorge fast erstickt wäre. Die war durch ständiges Herumgrübeln nämlich so groß geworden, dass sie alle schönen Gedanken verdrängt hatte.

Und das ist durchaus kein Einzelfall. Denn Sorgen sind hartnäckig. Sie drehen sich um Beziehungen, um Kinder, Freunde, die Lage der Welt, Geld, das eigene Aussehen, den Arbeitsplatz, um die Zukunft, die Gegenwart und die Vergangenheit, um alles, um das man sich sorgen kann und auch wieder nicht. Und manchmal wachsen sie. Gerne dann, wenn man länger über sie nachdenkt. Wenn man grübelt, sich die Haare rauft, nicht in den Schlaf findet. Dann machen sie Bauchschmerzen – oder Kopfschmerzen, je nachdem. Drehen sich die Gedanken nur noch um sie, können sie Kreislaufbeschwerden, Kurzatmigkeit und Schlimmeres auslösen. Auch Depressionen. Und Ängste sowieso.

Doch wie bekommt man diese verdammten Sorgen aus dem Kopf, wenn Sorgenfresserchen nicht mehr helfen? Da gibt es jede Menge Strategien. Vermutlich weil die eine, die allen hilft, nicht existiert.

Strategien gegen Sorgen auf dem Prüfstand

Strategie 1

So gibt es die Empfehlung, Sorgen zu unterscheiden in solche, die zu nichts führen, weil man an der auslösenden Situation ohnehin nicht viel ändern kann, und solche, gegen die man etwas unternehmen kann. Indem man an der Lösung des Problems arbeitet.

Zur ersten Kategorie zählen Sorgen um das eigene Aussehen („Ich bin zu hässlich, zu dick, zu groß, zu klein“). Wer sich traut und das notwendige Geld hat, kann zwar eine Operation vornehmen lassen, doch ist nicht gesagt, dass die Sorgen hinterher tatsächlich verschwunden sind. Deshalb, so die Verfechter dieser Strategie, kann man sie getrost gleich auf den Sorgenmüllhaufen werfen.

Zur zweiten Kategorie gehören Sorgen wie „Bestimmt falle ich durch die Prüfung durch“. Diese Sorgen sollen zumindest schrumpfen, indem man das Problem anpackt, um bei dem Beispiel zu bleiben, etwa für die Prüfung lernt. Denn durchs Lernen verringert man das Risiko durchzufallen.

Leider ist es manchmal verdammt schwierig, zwischen Sorgen aus Kategorie 1 und 2 zu unterscheiden. Vor allem Menschen, die tief in ihren Sorgen drinstecken, sich ein Sorgengemüt zugelegt haben, haben damit Schwierigkeiten. Also nicht unbedingt eine Strategie für jede(n).

Strategie 2

Anti-Sorgen-Strategie 2 lautet, sich selbst jeden Tag eine „Sorgenzeit“ zu erlauben. Fünf oder zehn Minuten, in denen man ganz bewusst grübelt und Sorgen zulässt. Den Rest des Tages soll hingegen jeder Sorgengedanke weggeschoben werden – hinfort ihr Schweinepriester! Für manche Menschen mag das funktionieren …

Strategie 3

Strategie 3 besteht darin, stärker in der Gegenwart zu leben und weniger an morgen zu denken. Warum? Weil Sorgen meist in die Zukunft gerichtet sind („Ob mir der Himmel morgen wohl auf den Kopf fällt?“).

Wer den Moment genießt und im Hier und Jetzt lebt, macht sich angeblich weniger Gedanken. Doch was, wenn ich nie gelernt habe, den Moment zu genießen? Tja. Dumm gelaufen.

Gut gemeint, aber …

All diese und andere allgemeine Tipps, mit denen Menschen ihre Einstellungen auf eigene Faust verändern sollen, helfen oft nur kurzzeitig, weil sie gerne wieder vergessen sind, wenn die nächsten Sorgen auftauchen. Dann rotieren die nämlich im Kopf und verdrängen alles andere. Außerdem treffen solche Strategien nie die Lebenssituation und/oder seelische Verfassung jedes Menschen. Denn es gibt jede Menge unterschiedlicher Menschentypen. Solche, die von Haus aus optimistischer sind als andere, und solche, für die die Welt eher schmuddelrot als rosig ist.

Sinnvoller, als jede Strategie auszuprobieren und zu hoffen, dass schon eine passt, ist es, mit Unterstützung und Hilfe von Profis die eigenen Einstellungen zu verändern – jedenfalls dann, wenn diese das Leben beeinträchtigen. Wenn nicht, kann man natürlich mal diese, mal jene Strategie austesten. Und sich großkotzig hinstellen und sagen: „Mir hat das aber geholfen.“

Just a little light

Auf die Gefahr, ebenfalls großkotzig zu wirken: Ein wenig Erleichterung verschaffen in der Regel Bewegung und Entspannung. Ja, ich weiß, wenn man Sorgen hat, kann man schlecht entspannen. Doch manchmal muss man seinen Körper dazu zwingen, z. B. durch gezieltes Atmen oder Yoga oder eben durch Sport. Denn das baut Stress ab und unterbricht zumindest zeitweise die Grübelei (wenn vielleicht auch nicht vollständig). Mit anderen Menschen über die eigenen Sorgen zu reden, hilft auch ein bisschen. Denn einmal ausgesprochen, wirken Sorgen oft nicht mehr wie der Himalaya. Doch selbst wenn sie nicht kleiner werden: Vielleicht fallen anderen Lösungen für das eigene Problem ein, auf die man selbst noch nicht gekommen ist.

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