Eins, zwei, drei – und du bist raus

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Manchmal ist das Leben stacheliger als sonst.
Manchmal ist das Leben stacheliger als sonst.

Das Leben. Mal wieder. Da macht man Pläne, und dann wirft es sich mit aller Macht zwischen uns und alles, was wir uns ausgemalt haben.

Je älter wir werden, umso häufiger boykottiert das Leben unsere Pläne. Zum Beispiel durch Krankheiten. Durch die eigene Krankheit, die Krankheit des Partners oder der Eltern, vielleicht auch durch den Verlust des Jobs. Manchmal kommen Krankheit und Jobverlust auch zusammen. Und gar nicht mehr so selten trifft uns leider auch der Tod eines nahestehenden Menschen.

Das „normale“ Leben – was ist das?

Das alles ist schon schlimm genug. Doch noch schlimmer wird es durch das Gefühl, nicht mehr am „normalen“ Leben teilnehmen, nicht mehr dabei sein zu können. Nicht mehr unbedarft mitreden zu können bei belanglosen Themen, weil sie in der Situation, in der man sich befindet, tatsächlich ohne Belang sind. Oder weil die anderen meinen, dass es sich nicht schickt, in der Situation mit einem über Belangloses zu reden. Obwohl man genau das jetzt ganz besonders nötig hätte, um sich abzulenken.

Das Gefühl, nur noch zusehen zu können, tritt gern dann auf, wenn die anderen Pläne machen für Dinge (einen Restaurantbesuch, einen Kinoabend oder einfach nur ein Treffen), die jahrelang für einen selbst ebenfalls selbstverständlich waren. Und nun kann man wegen der eigenen Krankheit, der eines Angehörigen oder aus Geldmangel nicht mehr dabei sein. Auch die Angst, kein guter Gesprächspartner zu sein, plötzlich in Tränen auszubrechen und damit den anderen den Abend zu verderben, hindert manche Menschen daran teilzunehmen. Obwohl es jetzt ganz besonders wichtig wäre, sich mit anderen auszutauschen.

Gefangen in der Parallelwelt

Irgendwann ist man dann nur noch Beobachter. Oder fühlt sich zumindest so. Eins, zwei, drei und du bist raus. Raus aus dem normalen Leben. Gefangen in einer Parallelwelt, in der alles anders ist. In der die Gedanken hauptsächlich um ein Thema kreisen und doch zu keiner Lösung kommen. In der man hoffen, jedoch selbst nur wenig dazu beitragen kann, dass es besser wird – unabhängig davon, wie sehr man sich anstrengt. In der man auf andere angewiesen ist und sich genau deshalb manchmal ausgeliefert fühlt. In der man hilflos ist und trotzdem auf Hilfe hofft.

Wie andere helfen können

Es ist verdammt anstrengend, sich immer wieder am Schopf zu packen und selbst aus dem Dreck zu ziehen. Da können Freunde einen noch so oft dazu auffordern, den Mut nicht zu verlieren. Aber: Freunde und Bekannte können tatsächlich mehr tun, als sie glauben. Zum Beispiel:

  • Zuhören – und auch beim x-ten Mal nicht ungeduldig werden.
  • Nicht nur sagen: „Melde dich, wenn du mich brauchst“. Sondern sich selbst in Abständen melden und erneut Hilfe anbieten, denn die Betroffenen sind oft zu stolz oder auch zu kraftlos, um selbst aktiv um Hilfe zu bitten.
  • Konkrete Hilfen anbieten. Zum Beispiel den Vorschlag machen, einen pflegebedürftigen Angehörigen ein paar Stunden zu betreuen, damit die Pflegeperson Zeit zum Ausspannen hat, oder Fahrdienste übernehmen.
  • Verständnis dafür aufbringen, wenn die Betroffenen im Augenblick keine Lust zum Sprechen haben, zu einem anderen Zeitpunkt jedoch ohne Punkt und Komma reden.
  • Dem bzw. der Anderen etwas Gutes tun, z. B. ein leckeres Essen kochen oder ihm/ihr Arbeiten abnehmen.
  • Es aushalten können, wenn der oder die Andere weint, und sie oder ihn dann einfach nur in die Arme nehmen.

Das alles ist eigentlich nichts Besonderes, und doch so schwierig. Denn man muss bereit sein, sich auf den anderen Menschen einzulassen und einiges auszuhalten. Doch wenn dem oder der Anderen geholfen wird, ist es das wert, oder nicht?

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