Eine WG für später?

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Warum sollte das WG-Leben im höheren Alter ins Wasser fallen?
Warum sollte das WG-Leben im höheren Alter ins Wasser fallen?

In ländlichen Gegenden leben hauptsächlich ältere Menschen. Viele wohnen bereits sehr lange dort – manchmal ein Leben lang – und wollen oder können nicht mehr umziehen. Obwohl das Leben auf dem Dorf mit zunehmendem Alter immer schwieriger wird. Denn Lebensmittelgeschäfte oder Ärzte gibt es dort oft nicht mehr. Zwar kommen mehrmals die Woche rollende Einkaufswagen vorbei, doch die Bankfiliale, bei der man das Geld für den Einkauf bekam, hat schon lange geschlossen. Und die Busse in die nächste Kleinstadt fahren – wenn überhaupt – nur im Stundentakt und teuer ist die Fahrt auch noch.

In der Stadt hingegen ist es für diejenigen ohne Wohneigentum unter Umständen schwierig, die steigenden Mieten von einer kleinen Rente zu bezahlen. Und betreutes Wohnen in einem Seniorenheim (nicht notwendigerweise Pflegeheim!) ist noch teurer.

Wohnvoraussetzungen für später schaffen

Es mag zwar noch weit weg erscheinen, doch diese oder ähnliche Probleme kommen unter Umständen auch auf viele der jetzt 45- bis 55-Jährigen zu. Warum also nicht schon jetzt darüber nachdenken, wie man später einmal leben möchte? Natürlich kann auch dann immer noch was dazwischen kommen, denn das Leben hält sich nicht an Pläne. Doch es fühlt sich einfach besser an, in etwa zu wissen, wie man gerne leben würde. Und dafür vielleicht sogar Voraussetzungen zu schaffen. Wenn’s dann doch nicht klappt oder sich mit den Jahren eine andere Art zu wohnen als die Bessere entpuppt, auch gut. Doch einen Plan B zu haben, ist sicher nicht das Schlechteste.

Gemeinsam mit anderen älter werden

Viele der heute 45- bis 55-Jährigen haben in ihrer Jugend einmal in einer Wohngemeinschaft gelebt. War billiger, als allein zu wohnen, außerdem war immer jemand da. Eine WG mit gemeinsamem Kühlschrank und Putzdienst, an den sich längst nicht alle halten, kommt für die meisten nach Jahren des Alleinlebens vermutlich nicht mehr infrage. Wie aber wäre es mit einer WG, in der alle ihre eigene kleine Wohnung haben und die Tür hinter sich schließen können? In der es daneben auch Gemeinschaftsräume gibt oder zumindest die Möglichkeit, zum anderen hinüberzuhuschen und eine Runde zu klönen?

Wenn das Haus zu groß wird

Für Menschen, die auf dem Land (oder natürlich auch in der Stadt) wohnen, dort auch nicht weg wollen, aber ein Haus besitzen, das nach dem Auszug der Kinder viel zu groß sein wird, könnte das eine Alternative zum Alleinleben sein. Gemeinsam mit Freunden kann man ja mal über einen späteren Umbau nachdenken, ihn vielleicht sogar bereits planen. Falls das nötige Kleingeld vorhanden ist, gibt es natürlich auch die Möglichkeit, mit anderen zusammen ein Haus zu kaufen und es nach den eigenen Vorstellungen umzubauen.

Ganz Mutige können vorhandenen Wohnraum natürlich auch wie früher in der WG aufteilen und Küche, Bad usw. gemeinsam benutzen. Allerdings sollte dann später auf alle Fälle eine Putzhilfe eingestellt und die Kosten auf alle verteilt werden, schon um Streitereien über verschiedene Ansichten von Sauberkeit zu vermeiden.

Vorteile einer solchen WG

  • Man ist nie ganz allein. Es gibt, wenn man möchte, immer jemanden zum Reden.
  • Der eine kann vielleicht, was die andere nicht kann. Man kann sich untereinander aushelfen. Auch bei körperlichen Einschränkungen.
  • Im Notfall können die Bewohner einander helfen.
  • Die Leistungen von Pflegediensten können unter Umständen günstiger eingekauft werden, wenn mehrere Personen im gleichen Haus versorgt werden. Das Gleiche gilt für andere Dienstleistungen wie Einkaufs- und Putzhilfe.

Nachteile

  • Wer auf weniger Hilfe angewiesen ist als andere Bewohner, fühlt sich möglicherweise verpflichtet, den anderen ständig zu helfen. Das kann dazu führen, dass er oder sie sich irgendwann ausgenutzt fühlt. Vermeiden lässt sich das durch im Vorfeld getroffene Vereinbarungen.
  • Manchen fällt es eventuell schwer, sich zurückzuziehen, wenn andere Redebedarf haben, sie selbst jedoch nicht. Doch auch das lässt sich im Vorfeld regeln, z. B. durch Türschilder wie in Hotels (Bitte nicht stören) oder Ähnliches.
  • Streits können das weitere Zusammenleben unter Umständen belasten.

Neue Wohnformen werden wichtiger

Im Moment sind solche WGs noch vergleichsweise selten, was neben den bereits beschriebenen Nachteilen vermutlich auch daran liegt, dass viele derjenigen, die heute älter sind, das WG-Leben nie kennengelernt haben. Aber auch, weil die Renten der jetzigen Ruheständler und Ruheständlerinnen im Durchschnitt sicher höher sind, als die der Menschen sein werden, die in den Sechzigern geboren wurden. Äußere Zwänge wie die finanzielle Situation werden vermutlich in Zukunft die Einrichtung von Wohngemeinschaften auch bei Älteren befördern. Und wer sagt, dass man immer dort wohnen bleiben muss, wenn es einem nicht mehr gefällt? Verkaufen oder weitervermieten ist auch im Alter möglich.

4 KOMMENTARE

  1. Was für ein schöner Artikel!

    Was ich auch einen großen Vorteil von WG’s fände, wäre, dass man Sachen teilen kann. Nähmaschine, Bohrmaschine. Vielleicht sogar gemeinsame Werkstätten einrichten. Und dass es unterschiedliche Tagesrhythmen gibt, ich mag es nämlich sehr, wenn die einen noch am Frühstück sitzen und die anderen sich dazusetzen, weil sie reif fürs Mittagessen sind und das dann gemütlich ins Kaffeetrinken übergeht bis zum Abendessen.
    Eine riesige Wohnküche ist ein Muss!
    Und auf keinen Fall zurück in die Zeit der Putzpläne!

  2. Hallo Simone,
    eine Alters-WG schwebt mir schon seit ein paar Jahren „für später“ vor – ja, stimmt, das macht die positive Erfahrung von einst – ich habe in den 1980ern auch in einer WG gelebt. Wichtig waren damals und sind wahrscheinlich erst recht im Alter ein paar einfache Regeln, an die sich alle halten. Ich könnt mir das so denken: Ein großer Hof auf dem Land, der in mehrere abgeschlossene Wohneinheiten inklusive Gemeinschaftsräumen umgebaut wird – für jeden gibt es die Möglichkeit, in den eigenen Wänden zu bleiben und dort auch zu kochen oder aber in einer Gemeinschaftsküche mit den anderen zusammen zu sein (die Küchenidee scheint ja offenbar auch dir zu gefallen ;o)). Eine Wohneinheit könnte ev. für ein bis zwei von allen Bewohnern gemeinsam bezahlten Helfern benützt werden (oder statt echter Bezahlung mehr so nach dem Kost-&-Logis-Prinzp…) – vielleicht ein jüngeres Paar, das bei gärtnerischen, putzenden und auch bei pflegerischen Tätigkeiten sowie beim Einkaufen unterstützt. (Ich sag immer: Ein knackiger Poolboy und seine fesche fleißige Freundin, denn wenn wir alt sind, wollen wir ja auch noch was Hübsches zu schauen haben ;o))
    Übrigens wird „mit Lebensfreude älter werden“ in meinem Blog demnächst auch ein Thema sein – am Montag stelle ich diese Aktion, die den Titel „Rettet die Lachfalte!“ tragen wird (und viele verschiedene Facetten des Themas beleuchten soll), mal vor – würde mich freuen, wenn du vorbeischaust!
    Herzliche Samtstagabend-Grüße,
    Traude

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