Dinge, die sich nicht verändern

4
Unverändert gut. Oder nicht?
Unverändert gut. Oder nicht? © Marlies Ferber

Im Laufe unseres Lebens haben wir schon viele Veränderungen erlebt. Manche davon haben wir freudig begrüßt, andere nicht. Und bei wieder anderen, tja, da warʼs wohl was dazwischen. Ich weiß z. B. noch, wie froh ich war, als es Mitte der 1980er endlich mehr als drei Fernsehsender gab, und wie enttäuscht, als ich merkte, dass werbefinanziert auch hieß, Shows wie „Tutti Frutti“ oder Pseudo-Dokumentarsendungen ertragen zu müssen, in denen u. a. Frauen getauscht werden.

Immer mal was Neues

Wir haben erlebt, dass Telefone trag- und Schreibmaschinen faltbar (Gummitastaturen!) wurden. Im Moment erleben wir mit den ersten Wearables*, dass wir Telefon und Internet als Uhr, Armband oder Brille sogar anziehen und mit ihrer Hilfe sportliche Aktivitäten, berufliche und andere Tätigkeiten dokumentieren und optimieren können. Bestimmt wird es auch nicht mehr lange dauern, bis Shirts den Markt erobern, mit denen wir telefonieren, fotografieren, arbeiten und herumdaddeln können und deren Design sich abhängig vom gerade gemachten Foto, dem jeweiligen Anrufer oder Job oder der eigenen Laune ändert.

Wir haben auch erlebt, dass Designs ausgetauscht wurden. Das Zwieback-Kind unserer Kindheit zum Beispiel. 1983 wurde es durch ein anderes Kind ersetzt. Auch die Mainzelmännchen von heute sind nicht mehr die Mainzelmännchen von früher. Der schlaue Det z. B. trug in den 1970er Jahren eine schwarze Latzhose und einen blauen Pulli und erinnerte ein wenig an Heinz Erhardt. Heute hingegen sieht er aus wie ein Konfirmand, dessen Augen auf die Brille geklebt wurden.

Aber egal. Wir haben uns immer angepasst. Irgendwie jedenfalls. Einige Male haben wir uns jedoch auch anpassen müssen, z. B. weil es verschiedene Dinge ab einem bestimmten Zeitpunkt schlichtweg nicht mehr gab. Oder nur noch zu horrenden Preisen. Oder in einer Qualität, bei der von Qualität keine Rede mehr sein konnte.

Manchmal kommen sie wieder

Manchmal jedoch kommen Dinge wieder. So erleben Vinylplatten seit einiger Zeit ein Comeback. Vielleicht, weil nur sie mit dem typischen Lagerfeuersound (knister, knack) ausgestattet sind und deshalb wärmer klingen. Vielleicht aber auch, weil einige Künstler und Kunden Wert aufs Coverdesign legen, das bei MP3s, MP4s und natürlich beim Streaming keine Rolle mehr spielt.

Auch die Eissorten der 1970er/1980er werden regelmäßig als Retro-Edition neu aufgelegt. Damit Mama und Papa oder Oma und Opa ihren Kindern und Enkeln nicht länger nur von den großartigen, längst vergessenen Eissorten vorschwärmen müssen und die Erinnerung an den Geschmack ihrer eigenen Kinderzeit wiederaufleben lassen können. Doch oft verschwinden diese Sorten ganz schnell wieder in der Versenkung. Vielleicht, weil die Erinnerung immer besser ist als das Erlebnis selbst. Und sich das typische Kindheitsferieneishochgefühl einfach nicht mehr einstellen will, egal, an wie vielen Retro-Eis wir auch lutschen.

Was gleich geblieben ist

Trotzdem: Es ist schön zu wissen, dass es immer noch Dinge gibt, die sich nicht geändert haben und vielleicht auch nie ändern werden. Das Design der Hygiene-Beutel in Damentoiletten zum Beispiel. Dabei ist auch auf öffentlichen Toiletten die Zeit nicht stehen geblieben. Zum Trocknen der Hände muss man dieselben mittlerweile beispielsweise oft in den Schlitz eines Geräts stecken, das den äußerst vertrauenerweckenden Namen „Blade“ (Klinge) trägt, statt sie von einem Rohr trockenpusten zu lassen. Und die Toiletten reinigen sich nach der Benutzung oft bereits selbst. Doch die Hygiene-Beutel zieren nach wie vor ein blaues Kreuz und der Verwendungszweck, der gleichfalls in Blau in verschiedenen Sprachen aufgedruckt ist.

Kennt ihr/kennen Sie vielleicht noch weitere Dinge, die genauso geblieben sind, wie wir sie schon immer erlebt haben?

* Dies Wort und seine Bedeutung habe ich erst gestern gelernt. Danke, Olaf! Aber vor allem herzlichen Dank an Marlies, die die Anregung zu diesem Text gab und mir auch das Bild dazu überlassen hat!

4 KOMMENTARE

  1. Seit Wochen denke ich über diesen Blogartikel nach, jetzt ist mir endlich ein Produkt eingefallen, das seit Jahren gleich ist: Diese unpraktischen Servietten mit irgendwelchen rot-grünen Aufdrucken, die man sich in italienischen Eisdielen aus dem stahlsilbernen Spender auf dem Tresen ziehen kann! Mich wundert seit Jahren, wie jemand so hartnäckig Servietten, die ja eigentlich aufsaugen und nicht noch weiter verschmieren sollen, aus so unsaugfähigem, ja geradezu glattem und abweisendem Material herstellt.

  2. Seit meiner Kindheit lieeeeebe ich Lakritz. Und so weit mich meine Erinnerung nicht trügt, sind sämtliche Katjes-Produkte so geblieben, wie ich sie schon immer kenne: Die Katzenkinder haben ihre schlanke Form behalten, die Katzenohren sind so dreieckig und würzig wie eh und je und die Lakritzbatzen/Katzenpfötchen sind noch heute rund und weich. Ich hoffe, dass es sie gibt, bis ich im Himmel nur noch an Wolken knabbere – die dann hoffentlich nach Lakritz schmecken. 😉

    • Da hast du recht. Die schmecken noch wie immer. Falls an der Rezeptur irgendwann mal etwas verändert worden sein sollte, ist es mir zumindest nicht aufgefallen. Aber ist eigentlich gemein, dass immer nur die Katzen dran glauben müssen, oder?

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here