Den Moment festhalten

2
Ein Moment zum Festhalten?
Ein Moment zum Festhalten?

Es gibt Momente im Leben, in denen weiß man: Jetzt stimmt einfach alles. Momente, von denen man hofft, sie würden ewig dauern. In denen man die Luft anhält, aus Angst, der nächste Atemzug könnte sie zerstören. Momente, die man festhalten möchte.

Viele Menschen versuchen das auch. Indem sie schnell, schnell ein Foto schießen. Klack, ist der Moment im Kasten. Denken sie.

Klick – kaputt

Doch oft zerstört der Griff nach Mobiltelefon oder Kamera den Zauber des Moments. Das Gefühl, das man eben noch so deutlich spürte, wird unterbrochen durchs Klicken des Auslösers. Nein, schon viel eher: Beim Gedanken daran, diesen Moment unbedingt in einem Bild festhalten zu müssen.

Aber sind Fotos wirklich nötig, um sich an perfekte Momente zu erinnern? Brauchen wir tatsächlich eine Gedankenstütze für solche Augenblicke? Ist es nicht viel schöner, einen solchen Moment bis zum Letzten auszukosten und ihn sich mit allen Sinnen einzuprägen, ihn zu hören, zu sehen, zu schmecken, zu riechen und zu fühlen?

Reduziert auf 2-D

Ein Foto ist da nur ein müder Abklatsch. Eine zweidimensionale Erinnerung, die man später mühselig hervorkramen oder im Wust der ganzen gespeicherten Bilder überhaupt erstmal finden muss. Was jedoch im Gedächtnis ist, was man gefühlt, gerochen, geschmeckt hat, lässt sich immer wieder abrufen. Sofort. Oft reicht ein Duft oder ein Geräusch – und schon ist die Erinnerung da.

Mir geht es jedenfalls so. Ich habe mir deshalb angewöhnt, diese ganz speziellen Momente, in denen ich das Gefühl habe, alles stimmt, einfach nur auf mich wirken zu lassen. Ich lasse Kamera Kamera sein und genieße (auch wenn ich sonst gerne Fotos mache). Ich versuche übrigens auch gar nicht erst, mir alle noch so kleinen Details einzuprägen. Klappt ohnehin nicht. Ich versuche, den Moment in mir zu bewahren, in dem Wissen, er ist unwiederbringlich. Damit ich die Erinnerung an ihn in schlechten Zeiten abrufen oder in Gedanken an ihn wehmütig weinen kann.

Gefühle in Flaschen

Denn auch die Gefühle aus solchen perfekten Augenblicken lassen sich (bislang) leider nicht einfangen. Man kann nur den Moment genießen. Ist vielleicht auch gut so. Denn könnte man die Gefühle in Flaschen füllen, um sie bei Bedarf zu öffnen, würden wohl die meisten Menschen zu nichts anderem mehr fähig sein, als debil zu grinsen und zu seufzen. Ich bin mir auch sicher, dass es dann ganz schnell ein Gesetz dagegen gäbe. Und dann müsste man doch wieder fotografieren. Verdammt!

2 KOMMENTARE

  1. Kenne ich. Stimme zu. Mache aber trotzdem immer Fotos. Aber bei dem Artikel habe ich mich an meinen Vater erinnert. Die letzten 5 seiner 90 Lebensjahre war er schwer an Demenz erkrankt. Je weiter die Krankheit fortschritt, desto weniger hat er gesprochen, je weniger wusste er abends was es mittags zu essen gab. Aber wenn er sprach, dann von früher. Er konnte sich an Dinge erinnern die mehr als 70 Jahre zurücklagen. An eine Zeit als man nur ganz selten Fotos machte, als man sich die Momente einfach gemerkt hat. Die vielen Geschichten von früher, die er wohl für immer festgehalten hatte.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here