Angst ist ein schlechter Ratgeber

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Strecken wir der Angst doch einfach die Zunge heraus!
Strecken wir der Angst doch einfach die Zunge raus!

„Du darfst nicht in Angst leben“, das ist das Mantra von Johnny Blaze, Hauptfigur des Films „Ghost Rider“. Dieses Mantra wiederholt er vor jedem seiner spektakulären Motorradstunts – und man weiß nicht, ob er sich damit Mut für den nächsten Auftritt oder für sein Leben als Ganzes macht. Wie auch immer: Selten zuvor waren diese Worte so wichtig wie heute, an einem Tag, an dem in Deutschland Demonstrationen aus Furcht vor Terroranschlägen untersagt wurden.

Denn mit der Begründung, dass eine Gefahr für die Sicherheit besteht, lassen sich neben dem Demonstrationsrecht leicht auch andere verfassungsmäßig garantierten Rechte aushebeln. Schon will die Politik in Deutschland z. B. wieder die Vorratsdatenspeicherung vorantreiben. Es könnte ja sein, dass man die personenbezogenen Daten, die ohne Anlass über einen längeren Zeitraum gespeichert werden sollen, irgendwann einmal benötigt, um Terroristen und ihre Helfershelfer aufzuspüren und unschädlich zu machen. Alles im Sinne der Sicherheit, versteht sich – und dem Bundesverfassungsgericht zum Trotz, das die Vorratsdatenspeicherung schon einmal für verfassungswidrig erklärt hat. Kann man ja ändern, so ein Gesetz. Kann man so anpassen, dass es nicht mehr verfassungswidrig ist. Dennoch: Durch eine anlasslose Vorratsdatenspeicherung geraten erstmal alle Bürgerinnen und Bürger unter Generalverdacht, sich ungesetzlich zu verhalten.

Einschränkung von Freiheitsrechten

Natürlich: Es ist immer eine Gratwanderung für staatliche Organe, den Bürgerinnen und Bürgern größtmögliche Freiheit bei größtmöglicher Sicherheit zu garantieren. Doch in Zeiten erhöhter Terrorgefahr sind viele zu schnell damit bei der Hand, Freiheitsrechte zugunsten vermeintlicher Sicherheit einzuschränken. Dabei wird jedoch nur allzu leicht vergessen, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nie geben kann. Das Leben ist nun einmal ein fortwährendes Risiko.

Nach den Anschlägen auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ müsste allen klar sein, dass es keinen absoluten Schutz vor Terroristen geben kann. Wer einen Anschlag plant, wird ein Ziel finden – welches auch immer. Auch eine Begründung, warum ein bestimmtes Ziel gewählt wurde, findet sich im Nachhinein stets.

Terrorziel gespaltene Gesellschaft

In erster Linie verbreiten Terroristen Angst und Schrecken, um die Gesellschaft zu spalten. Das war schon bei der Roten Armee Fraktion (RAF) so, die zum bewaffneten Klassenkampf aufrief, und das ist heute so, wenn der IS (Islamischer Staat) Anschläge in Europa verübt. Denn mit den Anschlägen befeuert er das Misstrauen gegen Menschen muslimischen Glaubens und ruft antiislamische Tendenzen in der Gesellschaft hervor oder verstärkt sie – in der Hoffnung, dass sich als direkte Folge wiederum ein Teil der Betroffenen radikalisiert und die Ziele des IS unterstützt. Das eigentlich Perfide an der ganzen Sache ist also, dass die Terroristen mit ihren Anschlägen auch den Menschen schaden, die sie zu unterstützen vorgeben. Nämlich, indem sie deren Ausgrenzung forcieren.

Lassen wir uns nicht von Angst beherrschen!

Deshalb ist es so wichtig, sich gerade in solchen Zeiten das Mantra „Du sollst nicht in Angst leben“ zu eigen zu machen. Wir sollten Terroristen jeder Couleur zeigen, dass sie uns mit ihren Taten zwar verletzen können, wir uns aber trotzdem nicht spalten lassen, sondern zu allen Menschen stehen, mit denen wir friedlich zusammenleben – egal, an wen oder was sie glauben. Und den Politikerinnen und Politikern sollten wir klarmachen, dass wir nicht bereit sind, auf unsere Rechte einer Sicherheit zuliebe zu verzichten, die uns ohnehin niemand garantieren kann.

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