50 ist das neue 30 – Tatsache?

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Ob „50 ist das neue 30
Ob „50 ist das neue 30" wohl auch für Elefanten gilt? Schließlich können auch sie alt werden.

Sich jünger zu fühlen, als man ist, ist eine tolle Sache. Es ist großartig, wenn der Körper mitspielt und man mit 50 noch Dinge machen kann, die selbst 20 Jahre Jüngeren schwerfallen, z. B. einen Marathon laufen. Verständlich, dass sich manche Menschen, die solche Leistungen in der Freizeit oder im Beruf erbringen, mit 50 noch immer fühlen wie 30. Und natürlich sehen auch etliche 50-Jährige jünger aus, als sie sind – und zwar nicht nur, weil sie Jeans statt Kittelschürze oder Synthetikhose mit Gummizug und Bob statt Pudelfrisur tragen.

Doch mögen sich zwar viele jünger fühlen: So lange es Gesellschaft und Arbeitswelt noch nicht verinnerlicht haben, dass man nicht gleich zum alten Eisen gehört, wenn man 50 wird, ist „50 ist das neue 30“ nur ein Spruch. Und zwar einer mit ausgrenzender Wirkung.

Nicht alle fühlen sich mit 50 jung

Denn was ist mit den Menschen, die sich eben nicht jünger fühlen, als sie sind? Die ihr Körper jeden Tag an ihr Alter erinnert, weil er eben nicht mehr alles mitmacht und sich vielleicht noch mit Schmerzen, Müdigkeit oder beidem für Anstrengungen rächt, die mit 30 noch locker zu bewältigen waren? Haben diese Menschen etwas falsch gemacht? Etwa, weil sie ihr Leben lang körperlich gearbeitet haben? Oder weil ihr Körper anfälliger ist als der von anderen? Und was ist mit den Frauen und Männern, die mit 50 nicht mehr aussehen wie 30? Kann man ihnen den Vorwurf machen, sich zu wenig gepflegt oder nicht gesund genug gelebt zu haben? Wohl kaum. Aber ein solcher Spruch beinhaltet unterschwellig all diese Vorwürfe. Immer klingt auch ein wenig ein „Hättest du doch damals nur“ mit.

Die Rest-Lebenserwartung

Es ist natürlich richtig, dass sich die Lebenserwartung bei uns insgesamt erhöht hat, vor allem wegen der verbesserten hygienischen Bedingungen, der gesünderen Ernährung usw. So gesehen haben 50-Jährige durchschnittlich gesehen noch einiges an Leben vor sich – jedenfalls, wenn man sich die Entwicklung der Lebenserwartung ansieht und mit den Daten von vor gerade mal 100 Jahren vergleicht. Lag die Lebenserwartung für die 1910/1911 Geborenen bei 48 (Männer) bzw. knapp 51 Jahren (Frauen), stieg sie für diejenigen, die zwischen 1963 und 1965 geboren wurden, zum Zeitpunkt ihrer Geburt auf 67 (Männer) bzw. 73 Jahre an. Und die Statistik sagt noch mehr: Wer von den zwischen 1963 und 1965 Geborenen bereits die magische Zahl 50 erreicht hat, hat noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von 23 (Männer) bzw. 27 Jahren (Frauen) vor sich. Von dieser Warte aus betrachtet hat der Spruch „50 ist das neue 30“ also durchaus seine Berechtigung.

Arbeitgeber und Menschen ab 50

Nur, wie gesagt, haben das mit dem „50 ist das neue 30“ zwar die Politiker gemerkt, die sukzessive das Rentenalter auf 67 angehoben haben, jedoch nicht unbedingt die Arbeitswelt. Zwar ist die Arbeitslosenquote bei den um die 50-Jährigen vergleichsweise niedrig und auch die Gefahr, arbeitslos zu werden, ist für Ältere (zu denen die Bundesagentur für Arbeit jedoch in erster Linie Menschen ab 55 zählt) geringer als für Jüngere (schon deshalb, weil sie aufgrund der Sozialauswahl bei betriebsbedingten Kündigungen in der Regel später entlassen werden als Jüngere). Doch es ist schwieriger für sie, wieder den Einstieg in den Beruf zu finden, sind sie erst einmal erwerbslos (Arbeitsmarktsituation von langzeitarbeitslosen Menschen, Seite 9).

Eigentlich ’ne Schande, überlegt man sich, dass all diejenigen, die heute 50 werden, noch 17 Jahre bis zur gesetzlichen Rente arbeiten sollen. 17 Jahre – das ist fast die Hälfte der durchschnittlichen Lebensarbeitszeit in Deutschland. Die lag 2010 nämlich bei 36,8 Jahren. Kann doch irgendwie nicht angehen, dass es Menschen ab 50 schwerer haben, wieder einen Job zu finden, wenn sie noch so lange arbeiten müssen, oder? Da ist doch was faul!

Wofür fürchten sich die Unternehmen?

Natürlich liegt es einerseits daran, dass die Unternehmen die höheren Lohn- und Gehaltskosten für diese Altersgruppe scheuen. Andererseits spielt jedoch auch eine Rolle, dass viele Arbeitgeber fürchten, die 50+er könnten häufiger krank sein. Dass man Letzteres nicht verallgemeinern kann, dafür spricht die Statistik der Deutschen Angestellten Krankenkasse (Seite 14, DAK), deren Ergebnisse im Übrigen denen der anderen großen Krankenkassen ähneln. Denn am häufigsten waren laut der DAK die 15- bis 24-Jährigen krankgeschrieben, jedoch durchschnittlich immer nur ein paar Tage. Menschen ab 50 waren wesentlich seltener krank, allerdings dauerte die Arbeitsunfähigkeit mit zunehmendem Alter deutlich länger (der vorhin schon genannte Verschleiß, leider).

Erfahrung = Starrköpfigkeit?

Was das Thema höhere Löhne angeht: Für ihr im Durchschnitt höheres Gehalt bringen Menschen ab 50 natürlich auch was in die Firma ein – nämlich Erfahrung und eine oft hohe Leistungsbereitschaft. Hinzu kommt: Sie lassen sich meistens nicht so leicht aus der Ruhe bringen, selbst wenn es im Unternehmen drunter und drüber geht. Klar, manche Firmen fürchten, dass diese Eigenschaften auch damit einhergehen könnten, dass sie sich weniger sagen lassen. Doch ist das immer schlecht? Entscheidungen anzuzweifeln ist ja nicht nur negativ, sondern führt oft zu noch besseren Ergebnissen. Es gibt also immer zwei Seiten der Medaille.

Ist die Gesellschaft reif für 30-jährige
50-Jährige?

Doch jetzt genug von der Arbeitswelt. Wie sieht es denn mit der Gesellschaft aus? Ist die bereit anzuerkennen, dass 50 das neue 30 sein soll? Naja. Auch nicht so wirklich. Würde man von Menschen ab 50 sonst von sogenannten Silver Agern oder von Menschen im reifen Alter sprechen? Eher nicht, oder? Und wann sind in der Werbung Menschen ab 50 zu sehen? In der Regel doch nur, wenn es darum geht, Produkte wie Haftcreme oder Inkontinenzeinlagen zu verkaufen.

Nicht jede Mode taugt auch was

Und wäre es tatsächlich schlimm, wenn 50 nicht das neue 30 ist? Meine Meinung dazu lautet ganz klar Nein. Ich bin so alt, wie ich bin. Auf mein Alter bin ich weder stolz noch schäme ich mich dafür. Es ist einfach, wie es ist. Jedes Alter hat seine Vor- und seine Nachteile, keins ist unbedingt besser, keins schlechter. Jedoch fühlen sich manche Menschen eben mit dem einen Alter wohler, andere mit einem anderen. Ich jedenfalls fühle mich mit meinem Alter wohl (hab’ ja auch kein anderes) und muss nicht mehr jede Mode mitmachen. Auch nicht 50 ist das neue 30.

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